Hessisch-Niedersächsische Allgemeine, 17.02.2011, 20.02.2011

Ankunft in der Fremde

 

Ankunft in der Fremde

Das Göttinger Boat-People-Projekt zeigte im Capitol-Kino das Stück "Keinsternhotel"

WITZENHAUSEN.  Das Stück "Keinsternhotel" wurde jetzt im vollbesetzten Capitol-Kinosaal auf der nagelneu hergestellten Bühne aufgeführt.  Unter der Regie von Luise Rist und Nina de la Chevallerie zeigte das Boat-People-Projekt (Bootsflüchtlingsprojekt) aus Göttingen die Ankunft von Migranten auf einem Flughafen in Deutschland.

Die fünf jungen Afrikaner, deren Erlebnisse in poetischer Verdichtung auf die Bühne gebracht wurden, überzeugten durch ihre authentische Darstellung, heißt es in einem Bericht des Arbeitskreises "Eine Welt" über die Veranstaltung.  Die Regie ließ viel Raum und Zeit, die Atmosphäre von Unsicherheit, Ankommen-wollen, aber Sich-nicht-mitteilen-können auf der einen Seite, Helfen-wollen und Verunsichertsein auf der anderen Seite lebendig werden zu lassen.

Zum anschließenden World-Café (Weltcafé) blieben etwa 40 Besucher, die sich in drei Gesprächsrunden mit dem Gesehenen Auseinander setzten.  Es wurden Fragen zu Aufnahme- und Abschiebepraxis erörtert, berichtet der Arbeitskreis.  Mehr noch aber ging es um die Frage "Was erwarte ich von dem Fremden?"  Eine Begegnung auf Augenhöhe setzt voraus, dass man sich wirklich einlässt, dass man dem Fremden Zeit lässt, sich mitzuteilen.  Je mehr Kontakt, desto mehr Verständnis, war allgemein Konsens, heißt es in dem Bericht.

Konkrete Vorschläge

Bei der Frage "Was kann Hilfe bedeuten?" kamen sehr konkrete Vorschläge:  Es hilft, wenn Menschen einen Fremden ansprechen; wenn Menschen bei Übersetzungen und Behördengängen dabei sind, wenn sie die deutschen Verhältnisse erklären.  "Brückenbauer" können nicht nur die Migranten als Vermittler zwischen den Kulturen sein.  Brückenbauer ist jeder, Deutscher wie Afrikaner, der sich mit dem Thema beschäftigt und auf ein Zuhören einlässt.  Als Brückenbauerin in diesem Sinne wurde am Schluss Angela Khosla von den Beruflichen Schulen Witzenhausen gedankt, berichtet der Arbeitskreis "Eine Welt".  Sie hat den Kontakt zum Boat-People-Projekt hergestellt und ihre Schüler sehr vielseitig gefördert und zu diesem Theaterabend ermuntert.

Die beiden Regisseurinnen arbeiten zurzeit mit dem Ensemble an einem dritten Stück zum Thema Migration. (stk) 

 

 

 

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